Vom Nähkasten zum ... >Start >Die Idee >Wer
 

Nein, ein Nähkästchen war nicht mein erstes Werkstück. Es war viel mehr der erste Ort, der mir zur Verfügung stand um "Werkzeug" zu finden mit dem ich "irgendetwas zu machen" konnte. Es war natürlich das Nähkästchen meiner Mutter - welches ich heute, nach über 40 Jahren, immer noch habe - das ich mit fünf Jahres regelmäßig plünderte. Damals fing meine Handwerksweg an, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Wie die meisten Kinder interessierte mich natürlich alles was sich bewegt. Um zu begreifen wie was funktioniert, stöberte ich im besagten Nähkästchen, um irgend etwas zu finden, mit dem ich beispielsweise ein Blechspielzeugs auseinander nehmen und somit der Sache auf den Grund gehen konnte. Manchem Sammler von historischen Blechspielzeug wird bestimmt heiß und kalt, wenn er dies liest. Tja, aber das waren eben meine allerersten Schritte in Richtung Werkzeuge und deren Handhabung. Mein Wissensdurst ist heute noch so groß wie damals und so experimentiere ich immer noch mit allerlei Materialien und Mechanismen herum.

Schon etwas älter, Ende der Sechziger, kamen die ersten Baukästen für Kinder auf den Markt. Die Werkteile waren aus Kunststoff gefertigt und konnten sehr individuell zusammengefügt werden. Meine Mutter (sie war einfach mein erster Mentor würde ich sagen) erkannte schon damals mein handwerkliches Geschick und kaufte mir die ersten Bau- und Zusatzkästen, obwohl diese zu damaliger Zeit wirklich nicht gerade billig waren. Da unter anderem auch Zahnräder, Riemen und Achsstäbe enthalten waren, sammelte ich auch schnell erste Erfahrungen in der Mechanik.
Im Laufe meiner Kindheit und frühen Jugend konnte ich mein handwerkliches Können, durch den Bau von Modelleisenbahnen, Seifenkisten, Drachen (in allen möglichen und unmöglichen Formen) sowie Modellflugzeugen und vielem mehr, festigen.
Später baute ich erste funktionsfähige Modelle nach eigenen Entwürfen. Und da das Material Holz für mich am Einfachsten zu verarbeiten war, begleitete es mich von nun an mein ganzes (handwerkliches) Leben.
Meine erste Bohrmaschine, an die ich noch eine kleine Kreissäge anschrauben konnte, bekam ich Anfang der siebziger Jahre. Beispielsweise sägte ich ein Brett auf der einen Seite spitz mittig zu, hinten schrägte ich es gleichmäßig etwas ab, bohrte zwei Löcher in gleichem Abstand in die Mitte des Brettes, in die ich zwei Buchen-Rundstäbe hineinsteckte. So entstand ganz simpel ein Mast für aus alten Bettlaken gefertigten Segeln. Unter das Brett schraubte ich ein Blech, welches nun als Kiel diente und fertig war das Segelboot, das mich und meine Freunde wochenlang mit Segeltörns am örtlichen Weiher beschäftigte.
Später, mit 14 Jahren, kaufte ich mir dann "professionelle" Modellbau-Modelle von meinem ersten Taschengeld (plus am Wochenende verdientem Geld). Mein aller erstes Modell-Segelflugzeug habe ich noch heute und man lese und staune es fliegt sogar noch.
Die Realschulzeit näherte sich dem Ende, die mittlere Reife sollte bestanden werde und es stellte sich die Frage für jeden, was wer dann danach beruflich oder auch schulisch weiter lernen sollte. Für mich zeichnete es sich schon damals ab, dass ich einen Beruf ergreifen wollte in dem es rund um Holz geht. Meine Interessen lenkten mich quasi schon immer auf die Schreinerei. Da auch etliche meiner Familienmitglieder handwerklich, künstlerische Berufe ausübten, wurde ich ermutigten, den Beruf des Schreiners zu lernen.
In einer Bau- und Möbelschreinerei begann ich im September 1978 meine Lehre. Wir stellten Fenster und Türen her, welche auch von uns eingebaut wurden. Holzdecken waren ebenso gefragt wie Wandverkleidungen.
Ohne diese Arbeiten jetzt herunter spielen zu wollen, denn dies ist genauso eine Kunst des Handwerks, empfand ich meine Tätigkeit auf Dauer als "grobe Arbeiten". Ich interessierte mich viel mehr für das Filigrane, für das ins kleine Detail gehende. Die Zinkenverbindung eines Schubladens waren für mich aufregender als eine zwei mal ein Meter große Terrassentür. Meine Abschlussarbeit war dann schließlich eine Vitrine mit Aufsatz, neun gezinkten Schubläden sowie drei Glastüren mit Mund geblasenem Glas und drei Türen aus Vollholz (Volksmund - Massivholz), zierten mein Gesellenstück.
Literatur und Fachbücher festigten mein weiteres Wissen über Holz, seine Verarbeitung und Geschichte. Das ein oder andere individuelle Möbelstück, Kleinode bis hin zu ganzen Einfriedungen haben seit dem meine private Werkstatt verlassen.
Vor ungefähr 15 Jahren fertigte ich ein erstes Detail getreues Puppenhaus. Mit viel Liebe zum Originellen, funktionstüchtigen Schlössern an Zimmertüren, Mosaik-Terrasse oder Wendeltreppe aus Holz, wurde mir eine ganz andere Anwendungsform meines Schreinerhandwerks aufgezeigt. Die mir, wie ich gestehen muss, viel Spaß macht.
Dieses setzt sich bis heute fort und ich entdecke ständig neue Möglichkeiten Ideen zu realisieren. Meine Umwelt sowie meine Gedankenwelt liefern mir immer wieder unterschiedlichste Anregungen. Ich bin sehr gespannt wie es in Zukunft weiter geht.

 
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